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«Anzeichen der Verlässlichkeit» von Beat Schweizer

  • Coalmine 1 Turnerstrasse Winterthur, ZH, 8400 Switzerland (map)

Immer wieder fährt Beat Schweizer (geb. 1982, wohnhaft in Bern) in den äussersten Norden Russlands. Die Thematik der Isolation beschäftigt den Fotografen seit vielen Jahren. Wie lebt es sich in den polarnahsten Städten und Siedlungen dieser Welt? Und was hält die Menschen trotz scheinbar widriger Bedingungen dort? Seine dreiteilige Werkserie gibt überraschende Antworten darauf. Sie erzählt von extremen Lebensbedingungen, aber auch von der Schönheit der Normalität und der Sehnsucht nach Freiheit.

Norilsk, die Stadt der Superlative: Die Minenstadt ist nicht nur die nördlichste Grossstadt, sondern auch die am meisten verschmutzte. Mit ihren gut bezahlten Arbeitsplätzen bietet sie ihren 175 000 Einwohnern die Aussicht auf Wohlstand. Dagegen finden in Dikson nur mehr wenige hundert Menschen ein Auskommen. Der Aussenposten der Zivilisation, der an 82 Tagen in der Polarnacht versinkt, galt in der Sowjetzeit als die nördlichste Stadt weltweit – heute hängen die Verbliebenen am Tropf des Staates. Teriberka ist die dritte Ansiedlung, die Beat Schweizer im Rahmen seines Langzeitprojekts dokumentiert hat. Auch hier führt er uns mit präzisem, respektvollem Blick in die Lebenswelt ausgewählter Protagonisten ein.

Beat Schweizer registriert das Wesenhafte mit einer Nüchternheit, die immer wieder ins Poetische oder gar Fantastische mündet. Dabei beweist er ein waches Auge für Komik, Tragik und Absurdität – ein feines Sensorium für die Anomalien des Alltags. Entgegen einem von westlichen Vorurteilen durchsetzten Blick zeichnet er ein lebendiges, vielschichtiges Bild der Auswirkungen von klimatischen, politischen und ökonomischen Kräften auf den postkommunistischen Raum. 

Die COALMINE zeigt Beat Schweizers dreiteiligen, zwischen 2012 und 2018 entstandenen Werkzyklus erstmals umfassend und in neu produzierten Abzügen. Eine Ausstellung im COALMINE Forum für Dokumentarfotografie vom 19. Oktober bis 21. Dezember 2018, kuratiert von Sascha Renner. Publikation: Beat Schweizer, Michailovna hat angerufen, mit Texten u.a. von Urs Mannhart und Sascha Renner, Kehrer Verlag, 2018. Buchpräsentation: 20. Dezember, 18 Uhr, COALMINE.

Bild: Norilsk | Russland | Juli 2017 © Beat Schweizer
Zwei Buben wärmen sich an austretendem Dampf einer Fernwärme- leitung am Ufer des Dolgoe-Sees.

Later Event: October 19
SILVAN KÄLIN: HOMO VIATOR*