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Eröffnung - Harald Szeemann: Museum der Obsessionen

  • Kunsthalle Bern 1 Helvetiaplatz Bern, BE, 3005 Switzerland (map)

Zum hundertjährigen Jubiläum spannen wir einen Bogen zwischen dem Vergangenen und dem Jetzt. Es bedarf des Blicks in die eigene Geschichte, um sich in die Zukunft zu bewegen. In der Kunsthalle Bern fanden bahnbrechende Ausstellungen statt, die massgebend veränderten, wie Ausstellungsformate gedacht und kuratorische Programme entwickelt werden können. Die Kunsthalle Bern ist die Wiege des Modells vom Autor-Kurator, der Autorin-Kuratorin, der oder die eine “Erzählung” entwickelt. In der Kunsthalle ist diese Entwicklung alles andere als abgeschlossen, sie schreibt sich laufend fort, entlang der sich wandelnden Generationen, Parameter und Wertevorstellungen.

In der Jahresmitte widmen wir uns einer der bekanntesten Ären der Kunsthalle, der Zeit, in der sie gerade fünfzig Jahre alt geworden war. Gesellschaftlich war die Zeit um die Aufstände von 1968 ein Moment in der Geschichte, in dessen Fahrtwind neue Modelle entstehen konnten. Vor diesem Hintergrund lenkte von 1961 bis 1969 der in Bern geborene Harald Szeemann (1933-2005) als Direktor der Kunsthalle das Ausstellungsmachen in völlig neue Bahnen und erfand an diesem Ort wegweisende Modelle des Kuratorischen. Mit Ausstellungen wie Science Fiction (1968) oder seinem revolutionären Projekt Live in Your Head: When Attitudes Become Form (1969) schrieb er sich tief in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ein und katapultierte die Kunsthalle Bern in eine Dimension der weltweiten Aufmerksamkeit. Später, als Leiter der documenta 5 (1972) und dann als freischaffender Kurator mit seiner “Agentur für geistige Gastarbeit” und seiner Vision eines “Museum der Obsessionen” entwarf Szeemann weitere Ausstellungen, die seinen Ruf als Erfinder des zeitgenössischen Kurators festigten.

2011 erwarb das Getty Research Institute (GRI) in Los Angeles den immensen Nachlass des Ausstellungsmachers und obsessiven Sammlers, der im Tessin seinen Lebens- und Arbeitsort gefunden hatte. In der Fabbrica Rosa in Maggia hatte er sein Büro, hier archivierte er auf 2700 qm seine Arbeits- und Recherchematerialien. Das GRI arbeitete in einem äusserst aufwendigen Katalogisierungsprozess das fünf Jahrzehnte umspannende Konvolut an Korrespondenz, Objekten und Publikationen auf, die Szeemanns intellektuellen Kosmos, seine Recherchen, Pläne und Projekte und seine weltweiten Netzwerke dokumentieren. Um einem grossem Publikum zum ersten Mal das Schaffen des Kurators vorzustellen, zeigte das GRI im Februar dieses Jahres zwei miteinander verbundene Ausstellungen in Los Angeles. Im GRI die Ausstellung Harald Szeemann: Museum der Obsessionen sowie im Institute of Contemporary Art (ICA) die Re-Inszenierung der Wohnungsausstellung Grossvater: Ein Pionier wie wir (1974), eine der persönlichsten, aber auch radikalsten Ausstellungen von Szeemann.

Earlier Event: June 8
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