Caravan 2/2020

Caravan 2/2020

Online Viewing Room
Opening

Sep 6, 2020 6:00 PM

Closing

Oct 25, 2020 6:00 PM

Location

Aargauer Kunsthaus

Aargauerplatz

5001 Aarau

Mitwirkende Künstler
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Den Arbeiten von Martina Mächler gehen intensive Auseinandersetzungen mit Narrationen, Raum, Bewegung und Körper voraus. So beschäftigt sie sich mit spezifischen Gegebenheiten ihrer Umgebung und entwickelt ihre vielfach auf Sprache basierenden und meist vergänglichen Arbeiten in und mit den Räumlichkeiten, in denen sie diese präsentiert. Für die CARAVAN-Ausstellung realisiert Mächler eine Audioinstallation und reagiert auf die Situation im Obergeschoss des Aargauer Kunsthauses. In den Oberlichtsälen des Altbaus von 1959 treffen wir auf die Sammlungspräsentation mit Werken aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die luftige Raumabfolge hat Mächlers Interesse geweckt. Mit ihrer klanglichen Intervention durchbricht die Künstlerin den gewohnten Gang durch die Sammlungsräume.

Drei Audiospuren werden in unterschiedlichen Räumen abgespielt, beziehen sich aber aufeinander. Was hören wir? Wer kommuniziert hier mit wem? Einer zeitlichen Choreografie folgend, erklingt ein Summen und Murmeln. Der Klang verbindet sich mit einer visuellen versprachlichten Ebene im Raum: auf Papierbahnen gedruckte Skripts. Warum werden die poetischen Passagen nicht gesprochen? Verweigern sich die die Stimmen den ihnen zugewiesenen Rollen? Das Zusammenspiel der drei Skripts – spezifisch auf die Lautsprecher verteilt – versteht die Künstlerin als Zeichen der Vielstimmigkeit und Vielschichtigkeit des Ichs. Es zeigt sich dabei als ein fragementiertes Selbst, als bestünde es aus verschiedenen Persönlichkeiten. Der Körper, um den sich die ganze Arbeit dreht, ist nur durch den Klang der Stimme präsent.

Mächler interessiert sich für menschliche Ausdrucks- und Verhaltensweisen und erkundet das Verhältnis zwischen Psyche und Körper. Sie stellt Fragen psychologischer und sozialer Natur, die mit Gefühlsregungen und geistigen Vorgängen einhergehen. Welche Formen kann das eigene Ich annehmen? Welche Vorstellungen haben wir von normativen Gesten, Kommunikationsformen und Sprechweisen, die der Körper ausführt? Wir lesen in den Skripts Gedanken über solche Fragen, mal scherzhaft, mal nachdenklich. Die versonnenen Melodien erzeugen intime nachdenkliche Momente. Teilweise pausieren die Klänge, und es entstehen Leerräume, die auf die Zerrissenheit und Verletzlichkeit des Selbst hinweisen, wobei Mächler diese mit Verkörperungen des Ungeheuerlichen konnotiert. Insbesondere interessiert sie sich für mythologische und fantastische Meeresentitäten wie Sirenen, Meerjungfrauen oder Undinen.

Neben der Klangfarbe und dem Rhythmus der Stimme nimmt Mächler mit ihrer Toninstallation Bezug auf die Akustik der Ausstellungsräume – das Knarren der Oberlichtdecke oder das Quietschen beim Betreten des Bodens. Sie werden zu zusätzlichen Akteuren der Audioinstallation. Verstummen die Klänge, so wird man umso mehr der Anwesenheit der von Mächler inszenierten Lautsprecher gewahr: Kleinen Körpern ähnelnd, losgelöst von einer Stimme, stehen die Installationen im Raum und schüren unsere Erwartung einer auditiven Wahrnehmung.

Mit dem Bildmaterial in diesem Booklet knüpft Mächler an ihre Beschäftigung mit dem Fluiden an und leitet in die Toninstallation in der CARAVAN-Ausstellung ein.

Externer Link:
https://www.aargauerkunsthaus.ch/