Torkwase Dyson

Torkwase Dyson

Online Viewing Room
Opening

Oct 17, 2026 11:00 AM

Closing

Jan 24, 2027 6:00 PM

Location

Kunsthaus Bregenz

Karl-Tizian-Platz

6900 Bregenz (Österreich)

Mitwirkende Künstler
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Torkwase Dyson macht das Erdgeschoss des Kunsthaus Bregenz zum Schauplatz einer raumfüllenden architektonisch-skulpturalen Intervention. Zwei schwarze segelförmige Elemente teilen das Foyer Peter Zumthors. Eines schwebt eingespannt zwischen Decke und Boden, das andere, ein steiles Dreieck, berührt mit der Spitze beinahe den Boden und ragt durch die Decke ins Geschoss darüber — ein eleganter Keil, eine stürzende Klinge, ein monumentales Revers. Die Skulptur aus schwarzem Holz strebt scheinbar federleicht in die Höhe und teilt das Erdgeschoss, markant wie eine Schranke.

Diese von Torkwase Dyson „Hypershapes“ genannten Formen sind in der Theorie des Black Compositional Thought verankert. Sie sind Ausdruck der selbstbestimmten Emanzipation Schwarzer Menschen aus der durch Sklaverei bis in die Gegenwart geprägten Geografie Nordamerikas. Die Präsenz der Skulpturen schärft die Sinne für die Position des eigenen Körpers im Raum. Die Arbeiten stellen Fragen nach Wahrnehmung, Klang und Größenverhältnissen. Es entsteht eine eindrucksvolle räumliche Poesie, in der Abstände und Bewegungen, Blicke und Blockaden sowie die Vorstellungen von Masse, Maß und Entfernung spürbar werden.

Torkwase Dyson, die aus Chicago stammt und heute in Upstate New York lebt, studierte Soziologie und Malerei. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen. Sie verbindet Skulptur, Architektur, Zeichnung und Malerei zu Werken, deren Formen Infrastruktur, Ökologie, Kapitalverkehr, Migration, Geschichte und Zukunft erörtern.

Den Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis bilden ihre Überlegungen zu Black Geographies. Torkwase Dyson versteht Geografie dabei nicht als neutrale, physisch gegebene Ordnung, sondern als Verschmelzung individueller Entscheidungen, gesellschaftlicher Machtverhältnisse, historischer Prozesse und politischer Eingriffe. Räume sind niemals einfach vorhanden. Sie werden geplant, besetzt, reguliert und angeeignet. Ihnen ist immer die komplexe Problematik von Eigentum, Zugehörigkeit, Ausschluss, aber auch Schönheit, Textur und Improvisation eingeschrieben. Die Frage „Was ist ein Raum?“ verschiebt Dyson damit von einer physikalischen Definition hin zu einer historischen und zutiefst humanistischen Perspektive. Was bedeutet es, einen Raum bewohnen zu können? Wer darf sich wo aufhalten, wer Räume erschaffen, wer kann sich auf allen Ebenen frei bewegen, wer wird kontrolliert, eingeschränkt oder ausgeschlossen? Und können Versklavung, Kolonialismus und Kapitalismus heute durch eine ökologische Politik, ein starkes soziales System und Demokratie zurückgedrängt werden? Besonders bedeutsam ist dabei, wie Schwarze Menschen im Laufe der Geschichte und bis heute freie Räume wahrnehmen, nutzen, verändern und erschaffen.

Die monumentalen Skulpturen aus Pappelsperrholz im Kunsthaus Bregenz werden eigens für die Ausstellung im Bregenzerwald gefertigt. In einem tagelangen Prozess färbt Torkwase Dyson das Holz mit einer schwarzen Lasur ein. So entsteht eine innere Sättigung des Materials. Das Aufsaugen des Schwarz wird zu einer Form der Einschreibung in das Material. In einem nächsten Schritt versieht Dyson das Werk mit reduzierten malerischen und zeichnerischen Spuren, inspiriert von meditativen Streifzügen, antiken Sternbildern und Erinnerungen.

Die gleiche Technik zeigt sich auch in Torkwase Dysons Beitrag zur Biennale in Venedig 2026. In einer Halle des Arsenale gruppiert sie monumentale schwarze Skulpturen, die an Kreisausschnitte erinnern, ihre Schnittflächen werden durch farbiges Glas akzentuiert. Auch hier geht es nicht um Geometrie als autonome Form. Vielmehr erzeugen die Objekte Beziehungen zwischen Licht und Materie, Körper und Raum, Bewegung und Begrenzung, Innen und Außen.

Das zweite Obergeschoss des Kunsthaus Bregenz ist vollständig abgedunkelt. Eine Stop-Motion-Animation und Klang erweitern den Raum. Akustik ist — ähnlich wie Architektur — eine Form räumlicher Einschreibung. Klang besitzt keine klar umrissene materielle Gestalt und hat doch Volumen, Ausdehnung und Richtung. Er durchströmt den Raum, füllt Leerräume und macht Zwischenräume erfahrbar. An einer Wand bilden 34 kleinformatige Gemälde die Partitur dieser Klanglandschaft ab. Wie alle weiteren Gemälde der Ausstellung sind sie eigens für das KUB entstanden und hier erstmals zu sehen. Gemeinsam vermitteln Sound, Bilder und die Animation den Charakter des Unbestimmten, Improvisierten. Die Offenheit und Freiheit der Dinge versteht Dyson als eigenständige Qualität.

Im obersten Geschoss entfalten mehrere großformatige Gemälde in der einzigartigen Tageslichtsituation des Kunsthaus Bregenz ihre besondere Intensität und Leuchtkraft. Es sind elegische und elegante Kompositionen. Abstrakte Elemente und lineare Strukturen, die an Zirkel oder Nadeln erinnern, scheinen in fließenden Umgebungen zu schweben. Nachtblau oder schwarz werden sie durch geometrische Muster und Farbaufträge akzentuiert. Tatsächlich sind es, so Torkwase Dyson, Abstraktionen von Wasserwegen und Infrastrukturen, die sowohl Schauplätze kolonialer Traumata als auch Räume der Erfindung und Befreiung waren.

Die KUB Ausstellung ist Torkwase Dysons erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich

Torkwase Dyson (*1973, Chicago) lebt und arbeitet in Beacon, New York. Ihre Werke waren im Rahmen der Biennale Arte 2026 – In Minor Keys, der Whitney Biennale 2024, New York, der 12. Seoul Mediacity Biennale, der 35. Bienal de São Paulo, jeweils 2023, und der Sharjah Biennial 14, 2019, zu sehen. Einzelausstellungen zeigten unter anderem die Pace Gallery, New York, 2026, 2022 und 2020, das ‘T’ Space, Rhinebeck, New York, 2023, die Hall Art Foundation, Schloss Derneburg, Deutschland, 2021, der Serpentine Gallery Pavilion, Serpentine Galleries, London, 2021, und das New Orleans Museum of Art, Louisiana, 2020. Im Auftrag des Public Art Fund realisierte Dyson im Mai 2025 ihre erste große Klanginstallation im Brooklyn Bridge Park in New York mit dem Werk Akua. 2025 entwarf sie für das Costume Institute am Metropolitan Museum of Art, New York, das Design für Superfine: Tailoring Black Style, 2025.

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Externer Link:
https://www.kunsthaus-bregenz.at/